Internet feiert Lebensretter

Thomas Viehauser hat Erste Hilfe geleistet, als ein Motorradfahrer auf der A3 in einen Lastwagen krachte

Am 24. April dieses Jahres kommt es zu einem Verkehrsunfall auf der A3 zwischen Schwaig und Behringersdorf. Ein Motorradfahrer fährt auf einen Lastwagen auf und wird dabei schwer verletzt. Zur gleichen Zeit ist Thomas Viehauser beruflich auf der A3 unterwegs, bemerkt den Unfall und übernimmt sofort die Erste Hilfe.

Der 24-jährige Aufzugtechniker war beruflich im Außendienst, als er auf den Unfall aufmerksam wurde. „Ich habe sofort angehalten, mich um den Verletzten gekümmert und die Rettungskräfte verständigt“, erzählt er. Aufgrund seiner ehrenamtlichen Tätigkeiten bei der Feuerwehr Ezelsdorf wurde er vom ASB Lauf auch gleich weiter in die Versorgung mit einbezogen. „Ich durfte leichtere Aufgaben übernehmen, für die ich auch rechtlich zugelassen bin und konnte den ASB so bei seiner Arbeit unterstützen, bis der Verletzte abtransportiert wurde“, erzählt der Mann, der dem Motorradfahrer mutmaßlich das Leben gerettet hat.

Noch am Tag des Unfalls wendet sich Thomas Viehauser per Facebook an den ASB Nürnberger Land, um deren Arbeit zu honorieren. Dass sich daraus später etwas Größeres entwickeln sollte, ahnt er zu diesem Zeitpunkt noch nicht: Der ASB Nürnberger Land war von seiner Leistung beeindruckt. Vor allem, weil es nicht das erste Mal war, dass der 24-Jährige bei einem Unfall Erste Hilfe geleistet hat. Der ASB bot ihm ein Praktikum an und ermöglichte es ihm so, über einen längeren Zeitraum im Rettungswagen mitzufahren und Kenntnisse in Erster Hilfe durch einen Auffrischungskurs weiter auszubauen.

„Weiter so und Daumen hoch“

Als der ASB Nürnberger Land Anfang dieser Woche auf seiner Facebookseite einen Post schaltet und über Viehauser berichtet, reagieren die Nutzer nahezu euphorisch: schön, dass es doch noch Leute gibt, die hinlangen statt weg schauen. Weiter so und Daumen hoch“, heißt es von einem Facebook-Nutzer, „Sehr gut! Können sich viele ne Scheibe davon abschneiden!“, meint ein anderer. 340 Menschen klicken binnen kurzer Zeit den Gefällt mir-Button. „Ich hätte nie damit gerechnet, auf so viel positives Feedback zu stoßen“, erzählt Viehauser, „dass es solche Wellen zieht, ist einfach nur Wahnsinn“.

Auch außerhalb des Internets wurde ihm viel Lob zuteil: Viehauser hat dem verletzten Motorradfahrer eine Visitenkarte mit Genesungswünschen in den Rucksack gesteckt, bevor dieser abtransportiert wurde. Daraufhin meldeten sich sowohl der Schwiegervater als auch der Verletzte bei ihm, um sich zu bedanken. Dabei erfuhr er, dass sich der Verletzte beide Arme sowie Beine gebrochen hatte. „Sie haben mir sogar Kinogutscheine geschenkt, das ist das erste Mal, dass ein Verletzter Kontakt zu mir aufgenommen hat“, erklärt er verlegen, macht aber auch klar, dass es darum nicht geht, sondern dass er einfach das getan hat, was er von jedem erwarten würde: „Es war mir fast ein bisschen unangenehm, dass mir etwas von ihm geschenkt wurde. Zu helfen, ist doch einfach selbstverständlich.“

„Nicht gaffen – anpacken!“

Sein Praktikum beim ASB hat Viehauser einen guten Einblick in den Job eines Rettungsassistenten gegeben und ihn motiviert, ehrenamtlich die Sanitätsausbildung zu machen die Rettungskräfte tatkräftig zu unterstützen. Über einen Berufswechsel denkt er allerdings nicht nach: „Mein Job macht mir Spaß und meine Firma unterstützt mich und findet es toll, dass ich mich so engagiere, auch wenn ich meistens während der Arbeitszeit auf Unfälle aufmerksam werde und helfe“, erzählt der 24-Jährige lachend. Dennoch möchte er das Erlebte und die positive Resonanz nutzen, um darauf aufmerksam zu machen, dass jeder helfen kann und auch soll. „Nicht Gaffen – anpacken!“ Das ist seine Devise. Viehauser will zeigen, dass man kein ausgebildeter Rettungsassistent sein muss, um bei einem Unfall zu helfen.

Quelle: Der Bote vom 29. August 2018
Text: Lea Schulmerich

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