Jubiläums-Gala als Höhepunkt der 100-Jahr-Feierlichkeiten
Mit mehr als 250 Gästen, darunter prominenten Vertretern aus Politik, Verbänden und Wirtschaft, hat der Arbeiter-Samariter-Bund im Nürnberger Land am 29. Oktober seine Gründung vor 100 Jahren gefeiert. Beim feierlichen Festkommers in der Aula der Bertleinschule in Lauf wurde die Forderung nach einer besseren Anerkennung sozialer Arbeit in Deutschland formuliert.
Kinderlachen im Garten, ein buntes Frühstück mit Jungen und Mädchen verschiedenster Nationalitäten im Hort. Kurze Zeit später ein Einsatz mit Blaulicht, die Rettungswagen rücken aus. All das ist Alltag im ASB Haus am Laufer Südring und all das skizziert auch der Jubiläums-Film, den die Gäste des Festkommers im Hintergrund sehen konnten. Bruno Schmidt, Vorsitzender des ASB Nürnberger Land, begrüßte unter ihnen nicht nur viele langjährige Mitglieder, sondern auch etliche Politiker aus der Region, darunter Laufs Stadtoberhaupt Benedikt Bisping, Landrat Armin Kroder, Altlandrat Helmut Reich, die Landtagsabgeordneten Kurt Eckstein und Thomas Beyer sowie die Bundestagsabgeordnete Marlene Mortler. Überraschungsgast für viele war die Vizepräsidentin des Bayerischen Landtags, Christine Stahl.
Bei so hoher Dichte sozialer Kompetenzen war es wenig verwunderlich, dass die Ansprachen neben den Glückwünschen für den ASB, die oft fehlende Anerkennung der sozialen Arbeit und die sich verschärfende Wettbewerbssituation zum Kernthema hatten. Festredner Thomas Beyer, der nicht nur Mitglied des Landtages, sondern auch Landesvorsitzender der AWO ist, skizzierte in seinem sehr komplexen Vortrag die Veränderungen, die in den nächsten Jahren auf die Gesellschaft zukommen werden und kritisierte, dass die Rahmenbedingungen nicht entsprechend gestaltet seien. „Soziale Arbeit ist kein Markt“, sagte er im Hinblick auf die sich seit Jahren verschärfende Wettbewerbssituation durch private Anbieter und den Kostendruck bei der öffentlichen Hand. Dieser führe dazu, dass Aufträge an den billigsten und nicht an den besten Anbieter vergeben würden. Die Wohlfahrtverbände könnten bei diesem Spiel nicht mitmachen. Gleichzeitig forderte er die Verbände und alle im sozialen Bereich Beschäftigten auf, ihre Stimme deutlicher zu heben. „Die soziale Arbeit sollte dem Umfeld deutlicher machen, was sie leistet“ sagte Beyer,. Die Sozialverbände seien zu leise, „warum gibt es denn hier keine Empörung?“
Auch der Bundesvorsitzende des ASB und Mitglied des Europäischen Parlaments, Knut Fleckenstein, kritisierte die zunehmende Zurückdrängung des Sozialen zugunsten der Wirtschaftlichkeit und warnte davor, das Ehrenamt zu missbrauchen. Ehrenamtliches Engagement dürfe nicht dazu führen, dass in diesen Bereichen Sparmaßnahmen durchgeführt würden. Den ASB Nürnberger Land lobt er für seine Umsicht in den vergangenen Jahrzehnten: „sie haben stets ein sehr sicheres Gespür für gesellschaftliche Bedarfe gezeigt und darauf reagiert“.
Er sprach damit auch Landrat Armin Kroder aus der Seele, der die gute Zusammenarbeit des Landkreises mit dem ASB hervorhob. Aus Sicht von Benedikt Bisping gibt es in unserer Gesellschaft ein Problem der Umverteilung: „Geld ist genug da, es muss nur gerecht verteilt werden“, sagte Laufs Bürgermeister im Hinblick auf die Finanzierung sozialer Arbeit. Dem ASB dankte er für sein Engagement und die Bereitschaft, neue Projekte anzugehen und dafür zu investieren.
Mehr Integration sozial Schwacher und Behinderter in die Gesellschaft forderte schließlich der stellvertretende Landesvorsitzende des ASB, Christof Hölzel.
Neben dem eher ernsten Teil ging es beim Festkommers aber auch humoristisch zu: Sabine Strobel und Nicole Pfaffenberger vom Hort des ASB plauderten als Erna und Babett aus dem Nähkästchen des ASB und spießten so manche Begeben- und Eigenheiten treffend auf. Bevor das Festessen mit musikalischer Untermalung des Flötenquartetts Arunda startete, zeichnete der ASB noch verdiente Mitglieder aus. 23 Männer und Frauen wurden für ihr Engagement für die Samariter Bewegung geehrt. Darunter einige, die dem ASB im Nürnberger Land bereits seit 40 und 50 Jahren die Treue halten.
Eine besondere Auszeichnung gab es für Karina Falk aus Leinburg-Diepersdorf: Die 21-Jährige erhielt das silberne Ehrenkreuz des ASB. Obwohl noch so jung sei Karina Falk, die sich seit 2004 im Schulsanitätsdienst, im Rettungsdienst und im Landesvorstand der Samariter-Jugend engagiert, ein „leuchtendes Beispiel“ für das Ehrenamt, so Schmidt zur Begründung.

